Der Begriff "Chan"

Der Begriff Chan für unsere Gruppe

Chan, von Dhyana, Chan’na, Chan bedeutet ursprünglich Meditation. In China wurde es zur Bezeichnung einer Schule die sich vorwiegend der meditativen Praxis als Weg zum Erwachen widmete. Nach der Song-zeit war Chan eine von nur zwei überlebenden Schulen und vermischte sich zum Teil mit der anderen, dem Buddhismus des reinen Landes. Somit wurden sehr viele Klöster in China als Chan-Klöster oder Chan-Orden bezeichnet, ohne dass dies unbedingt bedeutete, dass in diesen Klöstern viel meditiert wurde. Ab Mitte der 19. Jh. Setzten Reformbewegungen ein und der so entstehende humanistische Buddhismus wurde von Meister Sheng Yen später zu einer der heutigen Zeit und den wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechende Form gebracht. Humanistisch Buddhismus hat sich als Bezeichnung eingebürgert, die genaue Übersetzung des chinesischen Begriffes ren sheng fo jiao wäre vielleicht „Buddhismus für die in dieser Welt Lebenden“ oder freier „Buddhismus für die Menschen“ oder „Buddhismus inmitten des Lebens“. Der Begriffe bedeutet für Meister Sheng Yen, dass man den Buddhadharma im gewöhnlichen, alltäglichen Leben anwendet und dass man damit ganz allgemein der Entwicklung der Menschheit dient. Sein ganz grosses Verdienst ist es, dass er die überlieferten Meditationsmethoden für uns so beschrieben hat, dass sie auch für Laien anwendbar sind (Huatou) und er hat die verloren gegangene Methode des Stillen Gewahrseins (Mozhao, Silent Illumination) wieder belebt und für uns anwendbar gemacht. Er fördert wissenschaftliche buddhistische Studien und möchte die Priorität auf ihre Anwendbarkeit im Alltag setzen.

 

Wie der engagierte Buddhismus, der im Westen auf der Grundlage der Reformbewegungen in Asien im Zusammenhang mit den Friedensbewegungen und Aktivisten gegen den Vietnamkrieg entstanden ist, umfasst der humanistische Buddhismus den Einbezug der Laien, die Praxis im Alltag, den Einbezug der Frauen, soziales Engagement, Umweltschutz

 

Den Buddhadharma im täglichen Leben zu verwirklichen bedeutet:

  • einen heilsamen Lebensstil führen
  • sich mit spirituellen Freunden umgeben
  • Verantwortlichkeit über Rechte stellen
  • Freundlichkeit und Mitgefühl zeigen und Weisheit anstreben

 

Wichtige praktische Aspekte sind auch:

  • Der 4-fachen Umweltschutz: spirituell, sozial, Lebensumwelt und natürliche Umwelt
  • eine umfassenden Erziehung und ein liebevolles Sich-um-alle-Kümmern.

 

Meister Sheng Yen hat die Zielsetzungen des humanistischen Buddhismus in den Absichtserklärungen für das 21. Jahrhundert zusammengefasst als fünffache Kampagne zur spirituellen Renaissance:

 

  • Frieden kultivieren: in Geist, Körper, Familie/Freundeskreis und in den Aktivitäten.
  • mit Begierde umgehen: echte Bedürfnisse, Wünsche, Verlangen nach Dingen die wir erreichen können und nach Dingen die wir erreichen müssen.
  • ein Problem behandeln: Sich dem Problem stellen, es annehmen, sich damit befassen und es schliesslich loslassen.
  • sich selbst und andern helfen: sich erkenntlich und dankbar zeigen, sich verbessern, andere durch Tugend anrühren.
  • Segen (Glück) kultivieren: anerkennen, wertschätzen, wachsen lassen und seine Samen säen.

 

Warum dieses Engagement für die Menschen und unsere Welt?

Buddhismus inmitten des Lebens ist begründet in der Grundannahme, dass

  • die Grundübel Gier, Hass und Verblendung überwunden werden müssen,
  • die 5 Tugenden (Richtlinien) eingehalten werden sollen,
  • dass alle Phänomene in Abhängigkeit voneinander entstehen,
  • dass alles im Grunde ohne eine eigene Substanz ist und
  • mit der buddhistischen Tugend des Mitgefühls und der liebenden Güte.

 

Wenn wir uns auf Chan beziehen, dann meinen wir Chan, so wie es von Meister Sheng Yen wiederbelebt und erneuert wurde.

 

Diese Orientierung am humanistischen Buddhismus bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht auch sehr offen sein wollen gegenüber anderen buddhistischen Bewegungen. Dies gilt in erster Linie für andere Richtungen des engagierten Buddhismus und für die Chan-Richtungen in anderer kultureller Ausprägung, wie Zen in/aus Japan, Son in/aus Korea und Thien aus Vietnam. Doch wollen wir uns auch weiteren Richtungen, wie der Vipassana-Meditation nicht verschliessen.

 

Gruppe:

Wir wollen wir uns anschliessend darüber unterhalten, was wir als Mitglieder von unserer Gruppe erwarten/ einbringen möchten? Hier einige Überlegungen dazu, welche Bedürfnisse wir einbringen und wie wir sie erfüllen können:

  • Indem wir eine Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Interessen bilden und uns gegenseitig unterstützen, den Buddhismus inmitten des Lebens zu verwirklichen.
  • Indem wir versuchen die Ideen der Entwicklung von uns selbst, der andern Menschen und eines umfassenden Umweltschutzes zu realisieren.
  • Indem wir mithelfen für uns praktizierbare und zugängliche Meditationsmethoden und Möglichkeiten intensiver Trainingsperioden zu schaffen, indem wir Chan- Bern unterstützen, Retreats sowie Besuche von auswärtigen Lehrern und Lehrerinnen, Nonnen und Mönchen, ermöglichen helfen.
  • Indem wir uns Schriften zugänglich machen und Schriften studieren.

 

 

 

Chang She 18.02.2011

Als Nächstes...

  

Sa/So 18./19. November:

Übungs-Wochenende
Informationen hier

 

Fr. 24.11., 1.12., 8.12., 15.12., 19:00-21:00:

Vier Einführungsabende Chan-Meditation Informationen hier

 

Das höchste Prinzip kann nicht erklärt werden.
Es ist weder frei noch gebunden.
Lebendig und abgestimmt auf alles
Befindet es sich immer gerade vor dir.

Aus Song of Mind 
von Niu Tou Fa Jung